Nikola-in-the-bush part 5
Ich stelle mir den Wecker, damit ich das “Christmas dinner” bei Barbara nicht verpenne… nach guten drei Stunden Schlaf wache ich auf, weil ich meinem Wecker mißtraue. An Schlaf ist nicht mehr zu denken, da ich in meinem jugendlichen Leichtsinn vergessen hatte die Klimaanlage anzuschalten.
Ich stelle mich für gut 20 Minuten unter die kalte, ähm, lauwarme Dusche, teils zur Abkühlung, hauptsächlich jedoch weil das der schnellste Weg zur Rehydrierung ist. Jawohl! Vergesst Mineralwasser! Normales Hahnenwasser erledigt den Job schneller, gesünder und billiger.
In der größten Mittagshitze laufe ich vom Schwesternheim zu Brian’s (Barbara’s Bruder) Haus, wo ich herzlich aufgenommen werde. In weiser Vorraussicht hatte ich in Perth Schokoladenkugeln (was sonst?) gekauft, falls ich irgendwo eingeladen werden sollte (und man kann sich eigentlich ganz sicher sein, daß man irgendwo eingeladen wird!). Ganz so weise war die Vorraussicht allerdings doch nicht, da meine Schokoladenkugeln jämmerlich vor sich hinschmelzen… Noch einen blonden Moment kann ich mir heute beim besten Willen nicht mehr leisten!
Barbara pendelt zwischen Krankenhaus und Brian’s Haus, immer mit mir im Schlepptau. Ich wollte mich eigentlich bald wieder verziehen, um der Familie ein bißchen Privatsphäre zu lassen, aber Barb hat sich untergehakt und lenkt mich sicheren Schrittes, wohin es ihr gerade paßt. Nach und nach trudeln ihre Kinder, Nichten und Neffen ein. Alle wollen sich nochmal bei Curly verabschieden. - Curly indes, atmet tapfer weiter, sein Herz schlägt stark, er spricht zwar nicht mehr, drückt aber allen noch die Hände, die sie ihm verstohlen hinhalten. Er ist hier noch nicht fertig,”Bye Granddad… I love you. I will have a Brandy on you and I will have a dance for you on my wedding!” sagt Barb’s Sohn Brent, bevor er geht. Er muß heute noch zurück nach Esperance fahren, knapp 800 km.
Ich denke an meine Lieben zu Hause, und bin glücklich, heute nicht alleine zu sein.
Die Klimaanlage läuft auf vollen Touren, und inzwischen dürfte mein Zimmer im Schwesternheim angenehme Temperaturen erreicht haben. Ich verabschiede mich von meiner Leihfamilie und werde versuchen noch eine Mütze Schlaf zu kriegen, bevor der Nachtdienst wieder meine volle Aufmerksamkeit fordert (zumindest potentiell…).