Reflektiv…
Ich hab ein dünnes Fell.
Seit 15 Jahren arbeite ich als Krankenschwester, und mein Fell ist keinen Zentimeter gewachsen. Eher schon, hab ich ein paar kahle Stellen bekommen. Der Tod eines Patienten läßt mich nicht kalt, und obwohl ich viele habe sterben sehen, es ist jedes Mal was Besonderes, und oft schrecklich. Es ist der persönlichste Augenblick im Leben eines Menschen, so intim, daß man es manchmal kaum aushalten kann und weglaufen möchte. Gleichzeitig aber bietet er uns jedes Mal die Chance, mit anderen Augen auf unser eigenes Leben zu schauen.
Ist das was ich tue überhaupt das was ich will? Nach wessen Pfeife tanze ich? Wo spiele ich Leuten etwas vor, und vorallem wo spiele ich mir selbst etwas vor?
Da wiegen wir uns in relativer Sicherheit, denn schließlich herrscht in unserem Land kein Krieg, von Naturkatastrophen bleiben wir weitestgehend verschont und gesund sind wir auch…. und trotzdem… Wie verletzlich wir doch sind, und wie schnell können wir in diese Lage geraten.
Der Tod ist nicht mein Feind. Er erinnert mich daran, daß ich mein Bestes geben möchte, und daß jeder Moment zählt (auch wenn’s mal kein schöner Moment ist).
Selbst wenn die Nihilisten Recht behalten sollten, und nichts auch nur die kleinste Bedeutung hätte, hindert es mich nicht daran alles ganz bewußt zu erleben, alles bewußt zu aufzunehmen, und allen Dingen bewußt ihren Lauf nehmen zu lassen, sie gehen lassen. Wenn’s mal ganz dicke kommt, dann kann der Tod sogar ein Trost sein und bietet die Gewissheit, daß das hier nicht ewig dauert (…schreibt eine, die nicht lebenmüde, sondern lebenshungrig ist.)
Wem das jetzt alles zu besinnlich ist, warte mal, gleich geht’s weiter mit Beobachtungen aus dem Antipodenland… immerhin ist es ja mein Blog und folglich kann ich nur meine Erlebnisse wiedergeben, und manche (wenn nicht alle!) Erlebnisse finden eben innen statt…