Nikola-in-the-bush part 7
Die Australier praktizieren eine gewisse Haßliebe zu all ihrem giftigen Getier… erstmal draufhaun, und dann später bedauernd mit den Achseln zucken, wenn’s nur eine harmlose Python war. Nicht nur haben sie diese Haßliebe, nein, sie haben auch noch eine gehörige Portion zweifelhaften Stolzes ob ihrer Viecher, denn tatsächlich beherbergt dieser Kontinent von allen Spezies die giftigsten: Schlangen, Spinnen, Skorpione, Quallen und sogar Tintenfische, um nur einige aufzuführen.
Wenn man das erste Mal in den Busch fährt, bekommt man ob man nun will oder nicht von allen Seiten gute Tips, und vorallem Warnungen wie man sich zu verhalten hat. ”Lauf’ nicht barfuß!” (einen Tip, den der Australier selbst nicht befolgt, für Touris aber immer wieder oft und gerne wiederholt!), ”Trag’ immer eine Sonnenbrille!”, “Schmier dir Sonnencreme drauf, besser zu viel als zu wenig!”, “Kuck’ nicht unter Steine und umherliegendes Wellblech oder sonstigen Schrott, weil da meistens Schlangen drunter lauern!”…
Nun bin ich eben nicht mit Schlangen aufgewachsen, und somit mit völliger Angstfreiheit gegenüber dieser faszinierenden Kreaturen gesegnet. Und so hab’ ich es mir bisher bei noch keinem Buschaufenthalt nehmen lassen, unter alle Steine und allem Wellblech, das ich nur finden kann zu schauen… und in diesen ganzen acht Jahren Australien habe ich noch keine einzige Schlange gefunden, was mich widerum schlußfolgern läßt, daß es in Australien GAR KEINE SCHLANGEN gibt! Diese Behauptung widerum treibt den Durchschnittsaustralier zur Weißglut (was mich diebisch freut!), denn jeder erzählt dir hier ausgiebig und mit wohligem Schauer kleine Episoden über ihre abenteuerlichen Begegnungen mit der länglichen Art. Je später der Abend, desto größer die Schlangen! (Natürlich weiß ich, daß es hier Schlangen gibt, schließlich habe ich schon auf freiwilliger Basis eine Zeit lang in einem Reptilienhaus in der Nähe von Perth, genauer: in Armadale gearbeitet. Vor einem Australier gebe ich das aber unter keinen Umständen zu, weil man sie so herrlich damit ärgern kann.)
In Quairading will mir nun Sarah allen Ernstes einreden, daß es hier in der Tat Schlangen gibt. Ich roll die Augen “Sarah” sage ich, “das stimmt einfach nicht! Sieh mal, ich bin schon so lange hier, mir ist noch nie eine über den Weg gelaufen, und ich versuche wirklich, eine zu finden, schon damit ich meinen Lieben zu Hause davon erzählen kann… aber es gibt hier keine Schlangen!” mitleidig schüttel ich den Kopf, und habe mir einen Tonfall zugelegt, mit dem Mütter heulende Kinder zu beruhigen versuchen. Sarah ist aus England, und ich erzähle ihr, daß die Australier einer Massenhysterie zum Opfer gefallen sind… Sie besteht nun darauf, daß sie “mit eigenen Augen” schon welche gesehen hat und zwar erst heute morgen, und zum Glück war die Feuerwehr gerade da aus einem anderen Grund und hat die Schlange, eine King Brown, eine Babyschlange, eingefangen und entfernt. ”Oh wie süß!” sage ich, “wo ist sie?”… “Entfernt” sprich entsorgt, sprich übern Jordan geschickt und um die Ecke gebracht… Beweismaterial vernichtet…Ich hole zum letzten Seitenhieb aus “Ach Sarah… Du bist einfach schon zu lange hier…” tätschel’ ihr den Kopf und laß sie fassungslos stehn…