Narembeen
Ihr Lieben!
Ich bin schon seit ein paar Tagen zurück aus Narembeen. Der Großteil meiner dort geknipsten Fotos sind leider zerstört, und ich muß mir erst noch ganz genau überlegen, ob ich mir diese sündhaft teure Recovery-Software kaufen soll, um die Fotos, von denen die Hälfte wahrscheinlich ohnehin entweder verschwommen oder einfach langweilig ist wiederherzustellen.
Es war so ruhig dort, daß ich Euch gar nichts Aufregendes zu berichten weiß.
Allerdings hatte ich auf der der Fahrt zu diesem Ort in der Mitte Nirgendwos ein “Erlebnis”, das man so ohne Weiteres in Deutschland nicht haben kann.
Ich möchte es mal “einen Buschkoller” nennen.
Als wir hierher gezogen sind, ganz am Anfang, da hatten wir ein ganz ähnliches Erlebnis, nur waren wir da zu zweit im Auto, und das Ausflugsziel war York, nur knapp 100 km entfernt von Perth…
Dieses Mal saß ich allein im Auto (nun ja, in Begleitung von den zwei schonmal erwähnten Kötern), die Strecke war über dreimal so weit und wesentlich verlassener (jaja… ich weiß, das ist ein Adjektiv, das man nicht steigern darf. Macht Euch doch nix aus, oder?)
Keine Ahnung, ob es Literatur über dieses Buschkollerphänomen gibt, und so kann ich Euch eben nur einen sehr persönlichen Bericht bieten…
Zwischen Roleystone und Brookton kam mir auf einer Strecke von ca. 100 km sieben Autos entgegen. Keiner der Insassen winkte…
Kurz nach Roleystone informierte mich ein Straßenschild darüber, daß es keine Tankstelle gäbe für die nächsten 100 km. Mein Tank war noch halbvoll, kein Problem.
In Brookton füllte ich meinen Tank auf und versuchte beim Bezahlen die Kassiererin des “Roadhouse” in ein Gespräch zu verwickeln. Die war aber sehr wortkarg.
Richtig komisch wurde es mir dann nach Brookton, Richtung Corrigin. Wieder kamen mir auf dieser Strecke von ebenfalls 100 km nur sehr wenige Autos entgegen, und niemand winkte.
Nach Corrigin schien es mir als hätte sich niemand mehr die Mühe gemacht Straßenschilder jeglicher Art aufzustellen. Um herauzufinden ob ich immernoch in die richtige Richtung fuhr mußte ich eben immer weiter fahren in der Hoffnung, daß das nächste Schild gleich hinter dieser Kurve steht, oder hinter der nächsten, oder hinter jener… Die Straße zog sich und zog sich, und mit jeder Kurve wuchs meine Panik. Keine Menschenseele nirgendwo, und niemanden, den man nach dem Weg fragen konnte.
Totgefahrene Kängurus und Schafe am Straßenrand, die einem vermitteln, daß hier doch mal ab und zu ein Fahrzeug vorbeikommt… Eines mit einem Verrückten am Steuerrad, der mit irrsinniger Geschwindigkeit die Straße hoch und runterfährt, bis er mindestens 10 Kängurus oder Schafe getötet hat, um dannach wieder spurlos im Nichts zu verschwinden… Jemand, den man nicht mal in dieser Einsamkeit treffen und schon gar nicht nach dem Weg fragen möchte…