Narembeen 2
Es hatte zu allem Übel inzwischen angefangen zu regnen, und die Chance hier ein Straßenschild durch meine verschmierten Scheiben zu erkennen schlitterten rapide auf Null… Beim letzten Service hatte ich die Automechanikern zwar auf meine von den Krähen vor unserem Haus mutwillig zerstörten Scheibenwischer hingewiesen, aber die wurden dann doch nicht repariert, einerseits um mir Geld zu sparen und andrerseits weil’s im Sommer ja nicht regnet… Dieser nicht vorhandene Regen bereitete mir nun zusätzliche Kopfschmerzen.
Mir war natürlich klar, daß meine Fantasie völlig mit mir durchgegangen war, und ich mußte irgendwie versuchen mich in den Griff zu kriegen. Anhalten kam nicht in Frage, weil ja der Verrückte hier irgendwo lauerte und nur darauf wartete daß ich mir eingestand die Orientierung ganz und gar verloren zu haben… Der Film “Wolfs Creek” kam mir zum hundertsten Mal in den Sinn, und ich verfluchte die Tatsache, daß ich mir diesen Film überhaupt angeschaut hatte…
Tatsächlich ist Australien eines der sichersten Länder für Touristen. Aber auch hier wächst die Angst vor Terrorismus und vor Pädophilen und anderen Kriminellen. Wie überall kucken die Leute auch hier zuviel fern und lassen sich ängstigen durch aufgebauschte Berichterstattungen grauenhafter Einzelfälle.
Panikattacken kenne ich von Beobachtungen, am eigenen Leib hatte ich es bislang noch nicht erlebt.
Mein Pragmatismus kam mir auch dieses Mal zu Hilfe, und es gelang mir schließlich, mich selbst zu beobachten, und zu belächeln.
Narembeen erreichte ich nach gut dreieinhalb Stunden Fahrt mit runtergelassenen Fenstern (da durch die Windschutzscheibe tatsächlich nichts mehr zu erkennen war), ich hatte mich kein einziges Mal verfahren, kein Känguru auf dem Gewissen und die Hunde waren auf den Rücksitzen eingeschlafen…