Wolken…
Zwei, drei sind ja ganz nett, lockern alles auf, sind ein schöner Kontrast zum sonst brillianten Azur. Und der Sonnenuntergang ist ja auch soviel spektakulärer, wenn sich die Wolken da ein bißchen miteinbringen…
Selten passiert’s, daß der Himmel mal bedeckt ist mit den ganz Fantasielosen, die sich weder nach vorn, noch nach hinten bewegen, nicht abregnen wollen, und deren einziger Existenzgrund darin zu bestehen scheint, stumm zwischen mir und dem schönen Blau zu brüten - düster und uninspiriertes Grau in Grau…
Automatisch frag’ ich mich, was ich jetzt schon wieder angestellt hab’, und ich erinnere mich schuldbewußt an meinen eher vampirischen Lebensstil, und an die Stunden vorm Computer, die ich genauso gut mit den Hunden am Strand hätte verbringen können.
Draußen kann man’s heute nicht ertragen: Keine Brise regt sich, es ist unsäglich heiß, und die Luftfeuchtigkeit ist atemberaubend - im negativen Sinne des Wortes…
Wer hält’s länger aus? Ich stehe am Fenster und starre dem Horizont ins bedauernswert graue Gesicht, bis meine Augen genauso trübe werden wie mein Gegenüber… Ein Spiel, das der Himmel immerzu gewinnt, aber heute ist einer der wenigen Tage, an denen ich mich tatsächlich besiegt fühle.
Eine Bewegung am Rande meines Gesichtfeldes erregt meine Aufmerksamkeit:
Eine Bande knallbunter Rainbow-Lorikeets haben sich auf Nachbar’s leblosen Baumriesen eingefunden. Sie streiten sich lautstark um das gestrige Regenwasser, das wegen der Schwüle noch nicht verdunsten konnte. Jetzt flitzen sie den alten, müden Stamm hoch und runter, schubsen sich halb im Ernst, halb im Spiel, viel Gezeter und Gekreische, bis jeder sich satt gesoffen hat. Dann, auf ein geheimes Kommando haben sie plötzlich was Wichtiges zu tun und machen sich davon, ausnahmslos alle, die kleinen Flugopale.
Etwas versöhnt wende ich mich vom Fenster und habe auch plötzlich was Wichtiges zu tun…